Noch vor zehn Jahren ähnelte das Verfahren zur Gründung eines Unternehmens mit ausländischem Kapital in China dem Durchqueren eines Labyrinths mit vielen verschlossenen Türen. Der ausländische Investor war gezwungen, zunächst den „richtigen Schlüssel“ – eine Sondergenehmigung – zu finden, um erst dann das Recht auf die Existenz seines Unternehmens in Form einer Geschäftslizenz zu erhalten.
Dieser Ansatz, belastet von den aus der „Öffnungs“-Ära geerbten Barrieren, schuf ein Feld der Unsicherheit und erheblichen Zeitaufwands beim Start.
Die Situation hat eine radikale Transformation erfahren. Heute bietet China ausländischem Kapital kein Labyrinth mehr, sondern eine klare und weitgehend vereinheitlichte Roadmap für die Registrierung, die die Regulierungsphilosophie grundlegend verändert hat. Die Einführung des Auslandsinvestitionsgesetzes (Foreign Investment Law, FIL) im Jahr 2020 war nicht einfach eine Rechtsreform, sondern ein symbolischer „Neustart“ des Systems, der drei verschiedene Spielregeln für verschiedene Unternehmensformen durch einen gemeinsamen Standard ersetzte.
Den modernen Prozess kann man durch drei Schlüsselprinzipien charakterisieren:
- Universalität: Unabhängig davon, ob es sich um ein Joint Venture oder ein vollständig ausländisches Unternehmen handelt, unterliegt der grundlegende Registrierungsprozess einheitlichen Regeln.
- „Lizenz zuerst“: Das Unternehmen wird rechtlich mit der Ausstellung der Geschäftslizenz geboren, was eine schnelle Marktetablierung ermöglicht, während die notwendigen Branchengenehmigungen parallel oder danach eingeholt werden.
- Transparenz der Grenzen: Die Hauptorientierung für den Investor ist die „Negative Liste“ – eine erschöpfende und öffentliche Liste von Branchen mit Beschränkungen. Wenn der Tätigkeitsbereich nicht darin enthalten ist, ist der Weg zur Registrierung maximal geradlinig und mit dem Verfahren für einen chinesischen Investor vergleichbar.
Dieser Artikel dient als detaillierter Navigator durch dieses aktualisierte System. Wir werden den Standard-Registrierungsprozess Schritt für Schritt analysieren, die Funktionslogik der „Negativen Liste“ erklären und besondere Szenarien für groß angelegte Projekte hervorheben, die Kapitalbau erfordern. Das Verständnis dieser Struktur ist der erste und entscheidende Schritt zur erfolgreichen und vorhersehbaren Legalisierung Ihres Geschäfts in China.

Rechtliche Grundlagen für Unternehmen mit ausländischem Kapital in China
Seit dem 1. Januar 2020 ist die Regulierung ausländischer Investitionen in China durch das Inkrafttreten des Auslandsinvestitionsgesetzes der VR China (Foreign Investment Law, FIL) in eine neue Ära eingetreten. Dieses grundlegende Dokument ersetzte das veraltete dreistufige System, vereinheitlichte das Rechtsgebiet und stärkte den Schutz der Rechte ausländischer Investoren erheblich.
Schlüsseländerung: Vereinheitlichung der Gesetzgebung
Das neue Gesetz hat die drei früheren Spezialgesetze vollständig abgeschafft, die verschiedene Formen ausländischer Präsenz regelten:
- Das Gesetz über chinesisch-ausländische Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures);
- Das Gesetz über chinesisch-ausländische Kooperationsunternehmen;
- Das Gesetz über Unternehmen mit ausschließlich ausländischem Kapital.

Somit unterliegen nun alle Unternehmen mit ausländischen Investitionen (FIE) – seien es Joint Ventures oder Unternehmen mit 100% ausländischem Kapital – einheitlich den grundlegenden Unternehmensgesetzen der VR China, ähnlich wie lokale Unternehmen:
- Für juristische Personen: Es gilt das Gesellschaftsrecht der VR China (über Gesellschaften mit beschränkter Haftung oder Aktiengesellschaften).
- Für nicht-körperschaftliche Rechtsformen (z.B. Partnerschaften): Es gilt das Partnerschaftsunternehmensgesetz der VR China.
Im Rahmen dieses Überblicks liegt der Fokus auf der häufigsten Form – den gemäß dem Gesellschaftsrecht gegründeten Unternehmen.

Inländerbehandlung und die „Negativliste“: Die doppelte Grundlage der Offenheit der chinesischen Wirtschaft
Die rechtliche Grundlage Chinas im Investitionsbereich proklamiert das Prinzip der Inländergleichbehandlung als fundamental. Dies garantiert ausländischen Investoren und Unternehmen gleiche Geschäftsbedingungen wie inländischen Akteuren, die Anwendung identischer Standards und rechtlichen Schutz auf dem Gebiet der überwiegenden Mehrheit der Branchen.
Ausnahmen von dieser allgemeinen Regel sind durch den Mechanismus der „Negativen Liste für den Zugang ausländischer Investitionen“ systematisiert und transparent. Diese Liste, die regelmäßig überprüft und konsequent verkürzt wird, fungiert als klarer Regulator. Sie strukturiert die Branchen in zwei Kategorien von Beschränkungen:
- Für ausländisches Kapital verbotene. Dazu gehören strategische und sensible Sektoren, in denen ausländische Investitionen vollständig ausgeschlossen sind (z.B. Verteidigungsindustrie, einige Mediendienste).
- Für ausländisches Kapital eingeschränkte. In diesen Bereichen sind Investitionen zulässig, jedoch unter Erfüllung konkreter Bedingungen, wie einer festgelegten Obergrenze des ausländischen Beteiligungsanteils am Grundkapital (z.B. 50% oder 51%) oder der Anforderung der Ernennung eines in China ansässigen Bewohners zu bestimmten Führungspositionen (wie im Finanzsektor oder Telekommunikation).

Das chinesische Modell kombiniert das Gleichheitsprinzip mit strategischer Vorsicht: Die Inländergleichbehandlung gewährleistet Offenheit, während die „Negative Liste“ die Kontrolle über sensible Sektoren ausübt. Dies macht das Investitionsumfeld in China gleichzeitig attraktiv und steuerbar.
Unternehmensgründung mit Auslandskapital in China
- WFOE-Gründung für ausländische Investoren
- Dokumentenvorbereitung für SAMR
- Betreuung bis zur Erteilung der Gewerbelizenz

Freiwirtschaftszonen: Präferenzregelungen und die „verkürzte Liste“
Neben dem landesweiten Regulierungssystem nutzt China ein zielgerichtetes Instrument zur Vertiefung der Öffnung – das Sonderregime der Sonderwirtschaftszonen (SWZ). Diese Zonen, darunter führende Finanz- und Innovationszentren (Shanghai, Hangzhou, Guangdong, Tianjin, Hainan usw.), fungieren als experimentelle Plattformen für beschleunigte Entwicklung.
Ihr Schlüsselmerkmal ist die Anwendung einer speziellen, „gekürzten“ Negativen Liste, die erheblich weniger Beschränkungen für ausländisches Kapital enthält im Vergleich zur landesweiten Liste. Dies gewährt Investoren in den SWZ privilegierten Zugang zu Sektoren, die im Rest des Landes derzeit noch eingeschränkt bleiben (z.B. Telekommunikation, Bildung, Gesundheitswesen). Somit erfüllen die SWZ die Rolle von „Testgeländen“: Neue Öffnungsmodelle werden dort erprobt, die nach erfolgreichem Probelauf auf das ganze Land ausgeweitet werden können.
Die Reform von 2020, die das Prinzip der Inländergleichbehandlung gesetzlich verankerte, schuf einen einheitlichen und transparenten Rahmen für ausländische Investitionen. In diesem System treiben die SWZ als Lokomotiven die kontinuierliche Liberalisierung voran. Sie ziehen nicht nur hochtechnologische Projekte durch günstige Bedingungen an, sondern demonstrieren in der Praxis auch die Wirksamkeit einer weiteren Reduzierung von Beschränkungen und schaffen so die Nachfrage nach einer Aktualisierung der landesweiten Liste.
Das Verfahren zur Registrierung eines Unternehmens mit ausländischen Investitionen in China
Das Verfahren zur Registrierung eines Unternehmens mit ausländischen Investitionen in China wird weiter standardisierter und transparenter. Der Haupttrend für 2026 ist die Verlagerung des Schwerpunkts von der formalen Abschluss des Registrierungsprozesses auf die strikte Übereinstimmung der tatsächlichen Tätigkeit des Unternehmens mit seinen Satzungsdokumenten, Lizenzen und der anschließenden steuerlichen Abrechnung. Die Behörden erwarten Genauigkeit, Transparenz und vollständige Übereinstimmung der angegebenen Ziele mit der realen Geschäftstätigkeit.
Trotz globaler Herausforderungen bleibt China für Investoren attraktiv, was durch die Registrierung von 53.782 neuen Unternehmen mit ausländischen Investitionen (FIE) in den ersten 10 Monaten des Jahres 2025 belegt wird, eine Steigerung von 14,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
- Schlüsselentscheidungen in der Vorregistrierungsphase
Der Erfolg des gesamten Prozesses wird in der Vorbereitungsphase gelegt, wo zwei grundlegende Entscheidungen getroffen werden müssen.
- Wahl der Rechtsform: Dies beeinflusst die Besteuerung, Personalpolitik und die Möglichkeiten zum Marktaustritt. Die Hauptoptionen sind:
- Unternehmen mit 100 % ausländischem Kapital (WFOE): die beliebteste Form, die volle Kontrolle bietet. Geeignet für Handel, Dienstleistungen, Produktion und F&E.
- Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) (Aktiengesellschaft oder vertraglich): Wird verwendet, wenn die Anwesenheit eines chinesischen Partners eine zwingende Voraussetzung ist (gemäß der „Negativen Liste“) oder strategisch vorteilhaft ist.
- Repräsentanz: Eignet sich nur für Forschungs-, Marketing- und Koordinierungstätigkeiten. Kann keine kommerzielle Tätigkeit direkt ausüben und Einnahmen erzielen.
- Festlegung des Tätigkeitsfeldes: Dies ist ein entscheidender Schritt. Die Behörden verlangen klare und konkrete Formulierungen, die vollständig mit den tatsächlichen Operationen übereinstimmen müssen. Eine zu breite Beschreibung wird Fragen aufwerfen, eine zu enge wird das Wachstum einschränken. Die Wahl des Tätigkeitsfeldes bestimmt auch die Notwendigkeit, spezielle Genehmigungen (Lizenzen) zu erhalten.
- Kontext der „Negativen Liste“: Die Überprüfung anhand der gültigen „Negativen Liste für den Zugang ausländischer Investitionen“ bleibt obligatorisch.
- Neue Möglichkeiten: Parallel lohnt es sich, den „Katalog der geförderten Branchen für ausländische Investitionen“ (neueste Version gilt ab 1. Februar 2026) zu studieren, der 205 neue Positionen hinzufügt, insbesondere im Bereich der fortschrittlichen Produktion und Hochtechnologien. Darüber hinaus gelten in 20 Pilotstädten für den Dienstleistungssektor bevorzugte Bedingungen, beispielsweise die Aufhebung von Beschränkungen für den Anteil ausländischen Kapitals an Internetdiensten.

2. Verfahren zur Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in China: Schritt-für-Schritt-Algorithmus
Die Registrierung einer juristischen Person in China ist ein streng geregeltes Verwaltungsverfahren, bei dem jede nachfolgende Stufe erst nach der Erfassung des Ergebnisses der vorherigen Stufe in den einheitlichen staatlichen Registern initiiert wird. Das moderne Regulierungsparadigma basiert auf dem Prinzip der durchgängigen digitalen Integration zwischen den Behörden (SAMR, Staatliche Steuerverwaltung, Devisenkontrollbehörde, Bankensystem), was die Möglichkeit widersprüchlicher Daten in verschiedenen Phasen des Prozesses ausschließt.
Stufe 1. Reservierung des Namens der juristischen Person
Einreichung eines Antrags auf vorläufige Genehmigung des einzigartigen Unternehmensnamens bei der lokalen Niederlassung der Staatlichen Verwaltung für Marktregulierung (SAMR). Der Name wird auf Übereinstimmung mit den Regeln für die Bildung von Firmennamen, auf fehlende Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten bis zur Verwechslungsgefahr mit bereits registrierten Unternehmen und eingetragenen Marken in der Gerichtsbarkeit überprüft. Die Einreichung von 2 bis 5 Alternativvorschlägen wird empfohlen, um Zeitverluste bei Ablehnung zu minimieren.
Stufe 2. Legalisierung der juristischen Adresse und Registrierung des Mietvertrags
Abschluss eines Mietvertrags für Gewerbeimmobilien, der als juristische Adresse des Unternehmens dienen soll, mit anschließender verpflichtender Registrierung bei den zuständigen Behörden. Die gemieteten Räumlichkeiten müssen die Zweckbestimmung „für gewerbliche/büroliche Tätigkeit“ haben. Die Nutzung von Wohnflächen für die Registrierung einer juristischen Person ist verboten.
Der standardmäßige Muster-Mietvertrag muss beim Immobilienverwaltungszentrum offiziell registriert werden. Ein nicht registrierter Vertrag hat keine rechtliche Gültigkeit für die Zwecke der Unternehmensregistrierung.
Die Eigentümer von Business-Centern stellen oft ein Dokumentenpaket vom Eigentümer (Mietvereinbarung) zur Verfügung, das für die Einreichung beim SAMR erforderlich ist. Die Überprüfung der Adresse auf Übereinstimmung mit dem „tatsächlichen Standort“ ist eine gängige Praxis der Kontrollbehörden.
Stufe 3. Vorbereitung, notarielle Beglaubigung und Einreichung der Gründungsdokumente
Zusammenstellung eines Pakets von Unternehmensdokumenten und deren Einreichung beim SAMR zur Erlangung der Genehmigung für die Unternehmensgründung.
Schlüsseldokumente:
- Antrag auf Unternehmensregistrierung.
- Gesellschaftssatzung (Articles of Association).
- Beschluss/Protokoll über die Gründung.
- Dokumente zur Identität der Gründer und bestellten Direktoren (für ausländische natürliche Personen – notariell beglaubigte und legalisierte Kopien von Pässen).
- Nachweis der Legalität der juristischen Adresse (registrierter Mietvertrag + Dokumente vom Eigentümer).
- Erklärung über die Höhe des Grundkapitals.
Derzeit gibt es für die überwiegende Mehrheit der Branchen keine gesetzlich festgelegte Mindesthöhe des Grundkapitals. Das Konzept des „gezeichneten Kapitals“ (Subscribed Capital) bietet den Gründern Flexibilität.
Die Gründer erklären eigenständig den Gesamtbetrag des eingetragenen Kapitals in der Satzung. Es ist zulässig, einen Zeitplan für dessen tatsächliche Einzahlung (Contribution Schedule) innerhalb eines festgelegten Zeitraums aufzustellen, der bis zu 5 Jahren ab der Registrierung betragen kann. Dieser Zeitplan kann in der Satzung festgehalten oder vom Eigentümer nach eigenem Ermessen festgelegt werden.
Der deklarierte Betrag muss durch den Geschäftsplan wirtschaftlich gerechtfertigt sein.
Stufe 4. Erhalt der Geschäftslizenz (Bescheinigung über die Registrierung der juristischen Person)
Nach Überprüfung der Dokumente stellt das SAMR ein einheitliches Lizenzdokument aus – die Geschäftslizenz des Unternehmens (Business License). Dieses Dokument ist ein unwiderlegbarer Nachweis der Gründung der juristischen Person und enthält ihre eindeutige Registrierungsnummer (Unified Social Credit Code). Ohne diese Lizenz sind keine nachfolgenden rechtlich bedeutsamen Handlungen möglich.
Stufe 5. Herstellung und Registrierung der offiziellen Unternehmensstempel
Auf Basis der Geschäftslizenz werden in einer akkreditierten öffentlichen Sicherheitsstelle physische Stempel des Unternehmens hergestellt. Der obligatorische Satz von Stempeln umfasst:
- Unternehmensstempel (公章),
- Finanzstempel (财务章),
- Stempel des Direktors (法人章),
- Stempel für Vertragsabschlüsse (合同章).
Jeder Stempel wird bei der Polizei registriert und hat eine eindeutige Nummer. Die rechtliche Gültigkeit eines Dokuments wird durch das Vorhandensein eines „Abdrucks des Unternehmensstempels“ darauf bestimmt, nicht einfach durch eine Unterschrift.
Stufe 6. Eröffnung eines Unternehmens-Bankkontos für das Grundkapital (Basic Capital Account)
Das Unternehmen wendet sich an die ausgewählte chinesische Bank, um das erste Verrechnungskonto zu eröffnen. Die Bank führt die „Know Your Customer“-Prozedur (KYC) streng gemäß den Daten durch, die bereits im SAMR-System erfasst sind. Jede Abweichung (z. B. in der Schreibweise des Direktornamens, der Adresse) führt zur Ablehnung. Auf dieses Konto wird gemäß dem genehmigten Zeitplan der erste Teil des Grundkapitals eingezahlt. Nach Bestätigung der Zahlung stellt die Bank eine Bescheinigung über die Kapitaleinlage (入资证明) aus, die für die nächste Stufe von entscheidender Bedeutung ist.
Stufe 7. Registrierung bei der Staatlichen Steuerverwaltung
Verpflichtende Anmeldung beim Steueramt am Ort der Registrierung innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Lizenz. Daten vom SAMR werden automatisch an das Steuersystem übermittelt. Auf dieser Stufe findet statt:
- Endgültige Verifizierung der Daten.
- Festlegung des Besteuerungssystems (allgemein oder vereinfacht).
- Erhalt der Genehmigung zur Nutzung elektronischer Rechnungen (Fapiao).
- Abschluss einer Vereinbarung mit der Bank über automatische Steuerabzüge (Tax Withholding Agreement).
Stufe 8. Registrierung bei den Sozialversicherungs- und Rentenfonds
Anmeldung bei den lokalen Verwaltungen für Sozial- und Wohnungsversicherung.
Diese Registrierung ist eine zwingende Voraussetzung für die legale Anstellung jeglicher Mitarbeiter, einschließlich des geschäftsführenden Direktors-Gründers. Nichteinhaltung zieht erhebliche Geldstrafen und Betriebssperren nach sich.
Nach Abschluss der acht Stufen erlangt das Unternehmen seine vollständige Rechtsfähigkeit. Für den Beginn der operativen Tätigkeit kann jedoch der Erhalt zusätzlicher branchenspezifischer Genehmigungen erforderlich sein, deren Liste durch die in der Geschäftslizenz angegebenen Branchencodes bestimmt wird.

- Besondere Fälle und zusätzliche Verfahren bei der Gründung eines Unternehmens in China
Besondere Fälle: Projekte „auf der grünen Wiese“ und Kapitalbau
Für Investitionsprojekte, die den Bau neuer Anlagen von Grund auf vorsieht (Fabriken, Logistikzentren, Technologieparks), stellt das Verfahren der Unternehmensgründung einen erweiterten und mehrstufigen Prozess dar. Neben der Standardregistrierung der juristischen Person muss der Investor einen Komplex vorläufiger Genehmigungen einholen und spezialisierte Zulassungen erhalten, bevor die Bauarbeiten beginnen und die Anlage in Betrieb genommen werden kann.
- Vorläufige Genehmigung und strategische Begutachtung
Die Anfangsphase ist die Interaktion mit den für strategische Planung und Investitionspolitik zuständigen Behörden – der Nationalen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) oder ihren regionalen Unterabteilungen.
Das Projekt wird auf Übereinstimmung mit nationalen und regionalen industriellen Prioritäten bewertet, sein Umfang, seine Energieintensität und seine allgemeine strategische Bedeutung werden analysiert. Für energieintensive Produktionen ist eine separate Anforderung die Durchführung eines Energieaudits und die Vorlage eines Plans zur Verbesserung der Energieeffizienz.
b. Bau-, Umwelt- und Fachverfahren
Nach der strategischen Zustimmung beginnt die Phase der detaillierten Abstimmung des Projekts mit den fachspezifischen Kontrollbehörden. Diese Prozesse können oft initiiert oder parallel durchgeführt werden.
Stadtplanung: Einholung eines genehmigten Bebauungsplans und einer Baugenehmigung bei den lokalen Architektur- und Stadtplanungsbehörden.
c. Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP/EIA): Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung, die mit dem lokalen Umweltbüro abgestimmt wird. Sie ist obligatorisch für industrielle, chemische und andere Anlagen mit potenziellem Umweltrisiko.
Arbeitsschutz und industrielle Sicherheit (EHS): Erarbeitung und Abstimmung eines Dokumentsatzes zur Beurteilung beruflicher Risiken, Brandschutz und sanitärer Normen. Die Strenge der Anforderungen variiert je nach Region: In Metropolen (Shanghai, Shenzhen) sind sie in der Regel deutlich höher als in weniger entwickelten Provinzen.
Obwohl diese Verfahren parallel durchgeführt werden können, ist ihr erfolgreicher Abschluss eine unabdingbare Voraussetzung für den Baubeginn und die anschließende Inbetriebnahme der Anlage.
d. Branchenlizenzierung nach Errichtung der Anlage
Nach Abschluss der Bauarbeiten und Registrierung des Unternehmens beginnt der Investor mit dem Erwerb spezieller Branchenlizenzen, die das Recht zur unmittelbaren wirtschaftlichen Tätigkeit verleihen. Zum Beispiel:
- Lebensmittelproduktion erfordert eine Lebensmitteltätigkeitslizenz.
- Pharmaproduktion ist ohne Produktregistrierung und GMP-Zertifizierung unmöglich.
- Tätigkeiten im Bildungsbereich unterliegen der Lizenzierung durch die zuständige Behörde.
Ausnahme: Bereiche mit vorherigem Genehmigungsverfahren
Für eine Reihe streng regulierter Sektoren (Finanzen, Telekommunikation, Bildung mit ausländischer Beteiligung usw.) gilt ein umgekehrtes Legalisierungsverfahren. In diesen Fällen ist der Investor zunächst verpflichtet, eine grundsätzliche Genehmigung der Branchenaufsichtsbehörde einzuholen und erst danach berechtigt, das Unternehmen beim SAMR zu registrieren.
Beispiel: Für die Gründung eines Unternehmens am Wertpapiermarkt ist eine vorherige Genehmigung der Wertpapieraufsichtskommission Chinas (CSRC) erforderlich. Nur mit dieser Entscheidung in der Hand können die Gründer die Unterlagen für den Erhalt der Geschäftslizenz einreichen.

Somit erfordert die Umsetzung eines „grüne Wiese“-Projekts nicht nur erhebliche Kapitalinvestitionen, sondern auch ein tiefes Verständnis des mehrstufigen Systems administrativer Genehmigungen, bei dem die Abfolge der Handlungen und die Interaktion mit den fachlich zuständigen Behörden von entscheidender Bedeutung für den Erfolg sind.
Liste der erforderlichen Unterlagen für die Registrierung eines Unternehmens mit ausländischem Kapital
Die Gründung eines Unternehmens mit ausländischen Investitionen in China ist mit der strikten Einhaltung eines reglementierten Dokumentationsprozesses verbunden. Die nachstehende Liste gibt den vollständigen Satz offizieller Papiere wieder, die zur Einleitung des Registrierungsverfahrens bei der Staatlichen Verwaltung für Marktregulierung (SAMR) und anderen zuständigen Behörden erforderlich sind. Jedes Dokument muss festgelegten formalen Kriterien entsprechen, und sein Inhalt muss mit den Normen des chinesischen Gesellschaftsrechts übereinstimmen.
- Gründungs- und Registrierungsformulare (Establishment Registration Forms)
Antrag auf Unternehmensregistrierung nach SAMR-Formular – Ein einheitliches Formular mit rechtsverbindlichen Erklärungen: vollständiger Unternehmensname auf Chinesisch, deklarierter Betrag des Grundkapitals (registered capital), Zeitplan für dessen Zahlung, Angaben zu den Gründern, Struktur der Leitungsorgane, juristische Adresse und Arten der wirtschaftlichen Tätigkeit (business scope). Die Unterschrift des Antragstellers (des zukünftigen gesetzlichen Vertreters) unterliegt der Verifizierung. - Gründungsdokument (Constitutional Document)
Satzung des Unternehmens (Articles of Association) – Ein interner Regelkatalog, der die Tätigkeit des Unternehmens regelt. Das Dokument umfasst zwingend Bestimmungen über den Gründungszweck, Höhe und Verteilung der Anteile am Grundkapital, Rechte und Pflichten der Investoren, Zuständigkeit und Verfahren zur Bildung von Geschäftsführungs- und Kontrollorganen, Verfahren zur Annahme wesentlicher Entscheidungen sowie Bedingungen für die Liquidation. Die Satzung wird von allen Gründern unterzeichnet und ist die Grundlage für die Beilegung von Unternehmensstreitigkeiten. - Dokumente zur Bildung der Unternehmensorgane (Corporate Governance Appointments)
Beschluss/Protokoll der Gründungsversammlung (Shareholders’ Resolution/Minutes) – Hält den kollektiven Beschluss der Gründer über die Gründung des Unternehmens, die Genehmigung seiner Satzung sowie die Ernennung der wichtigsten Führungskräfte fest.
Bestellungsschreiben (Appointment Letters) – Individuelle offizielle Dokumente, die die Befugnisse bestätigen.
Des gesetzlichen Vertreters (Legal Representative) – Person, die ohne Vollmacht im Namen des Unternehmens handeln darf.
• Des Aufsichtsratsmitglieds (Supervisor) – Obligatorisches Kontrollorgan für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, das nicht zur Geschäftsführung gehört. Die Ernennung eines Aufsichtsratsmitglieds oder eines alleinigen Aufsichtsrats ist eine zwingende gesetzliche Anforderung.
• Des verantwortlichen Finanzbeauftragten (Financial Controller) – Mitarbeiters, der für die Buchführung und den Kontakt mit den Steuerbehörden verantwortlich ist.
- Dokumente, die die Rechtsfähigkeit der Gründer nachweisen (Investor Identity and Capacity Proof). Für ausländische natürliche Personen: Von einem Notar des Heimatlandes beglaubigte und mittels Apostille oder konsularischer Legalisation in der VR China legalisierte Kopie des gültigen Reisepasses. Eine notariell beglaubigte Übersetzung ins Chinesische ist erforderlich.
Für ausländische Organisationen als Gründer:
• Handelsregisterauszug oder gleichwertiges Dokument, das den Rechtsstatus bestätigt.
• Aktueller Auszug aus dem Handelsregister, der bestätigt, dass das Unternehmen sich nicht in Liquidation oder Insolvenz befindet.
• Satzung oder ähnliches Gründungsdokument.
• Dokument, das die Befugnisse bestätigt und diese Person ermächtigt, die Gründungsdokumente der chinesischen Gesellschaft im Namen des ausländischen Investors zu unterzeichnen.
Alle aufgeführten Dokumente unterliegen der notariellen Beglaubigung, Legalisation (Apostille/konsularische Legalisation) und Übersetzung ins Chinesische.
- Dokumente, die die rechtmäßige Nutzung der juristischen Adresse bestätigen
Die chinesische Gesetzgebung verlangt den Nachweis zweifelsfreier Beweise dafür, dass das Unternehmen über reale Gewerberäumlichkeiten für die Geschäftstätigkeit verfügt. Folgende Dokumente werden akzeptiert:
• Standard-Mustervertrag, unterzeichnet mit dem Eigentümer von Gewerbeimmobilien und mit obligatorischer Registrierung im lokalen Immobilienverwaltungszentrum. Die Mietdauer muss in der Regel mindestens ein Jahr betragen.
• Eigentumsbescheinigung für Immobilien (Property Ownership Certificate, 房产证): Vom Vermieter zur Verfügung gestellte Kopie.
• Adressnachweisformular (Address Filing Form, 住所经营场所使用证明): Dokument nach vorgeschriebenem Formular, ausgestellt vom Immobilieneigentümer oder der Verwaltungsgesellschaft des Business-Centers, das die Zustimmung zur Nutzung der Adresse für die Registrierung der juristischen Person bestätigt.
Die Nutzung sogenannter „virtueller Büros“ oder Postadressen für die Erstregistrierung eines FIE ist gesetzlich nicht zulässig. Das SAMR behält sich das Recht vor, eine Vor-Ort-Prüfung der angegebenen Adresse durchzuführen.
Dieser Satz ist grundlegend und zwingend für die Einleitung des Verfahrens. Abhängig vom konkreten Verwaltungsbezirk, der Spezifik der Tätigkeiten (z. B. für ausländische Investitionen eingeschränkte) und den Anforderungen der Branchenregulierungsbehörden können die zuständigen Behörden zusätzliche Genehmigungsdokumente oder Gutachten anfordern. Es wird empfohlen, die Vorbereitung des Pakets mit Begleitung eines qualifizierten lokalen Beraters oder Rechtsanwalts durchzuführen.

Das Verfahren zur Registrierung eines Unternehmens mit ausländischen Investitionen in China ist ein klar strukturierter, aber vielschichtiger Prozess, der das Gleichgewicht zwischen Offenheit für internationales Kapital und der strategischen Regulierung der nationalen Wirtschaft widerspiegelt. Das erfolgreiche Durchlaufen dieses Wegs erfordert vom Investor nicht nur eine sorgfältige Vorbereitung der Dokumente, sondern auch ein tiefes Verständnis der Logik des chinesischen Rechtsgebiets und des Verwaltungssystems.
Zu den Schlüsselschritten auf diesem Weg gehören: die strategische Wahl der korrekten Investitionsform (WFOE, Joint Venture, Repräsentanz), die den langfristigen Geschäftszielen entspricht; die vorläufige Abstimmung eines einzigartigen Unternehmensnamens; das Einholen aller notwendigen Genehmigungen und Lizenzen für regulierte Tätigkeiten; sowie die korrekte Vorbereitung der Satzungsdokumente, vor allem der Satzung, die chinesische regulatorische Anforderungen berücksichtigt. Die letzten Schritte – die Beantragung der Geschäftslizenz, die Registrierung bei Steuer-, Zoll-, Devisen- und Statistikbehörden – legalisieren die Tätigkeit, markieren aber den Beginn der nächsten kritisch wichtigen Phase: der operativen Compliance mit der sich ständig weiterentwickelnden Gesetzgebung.
In den letzten Jahren wurden viele Verwaltungsverfahren erheblich vereinfacht und digitalisiert, die Zugangsschwellen für eine Reihe von Branchen gesenkt und die Transparenz erhöht. Dennoch bleiben Herausforderungen wie die korrekte Klassifizierung der Tätigkeit nach Branchenkennziffern (GB/T), die Einhaltung der Anforderungen an das Grundkapital, die Feinheiten des Arbeitsrechts und interkulturelle Kommunikationsbarrieren aktuell. Daher ist die Hinzuziehung qualifizierter lokaler Fachleute – Rechtsanwälte, Berater und Buchhalter – eine unabdingbare Voraussetzung zur Minimierung von Risiken und Zeitaufwand.
Letztendlich ist die Unternehmensregistrierung kein bürokratischer Endpunkt, sondern ein strategischer Start. Ein kompetent und professionell registriertes Unternehmen mit einer klaren rechtlichen Struktur und einem Verständnis seiner Verpflichtungen legt ein solides Fundament für nachhaltige Entwicklung, den Aufbau von Vertrauen mit chinesischen Geschäftspartnern und Behörden sowie die vollständige Ausschöpfung des enormen Potenzials des chinesischen Markts. Somit amortisieren sich die Investitionen von Zeit und Ressourcen in der Gründungsphase durch langfristige Stabilität und die Möglichkeit, sich effektiv auf das Kerngeschäft im dynamischen Wettbewerbsumfeld Chinas zu konzentrieren.
Unternehmen in China als ausländischer Investor gründen
- Prüfung gemäß Negativer Liste
- FIE-Strukturvorbereitung
- Unterstützung bei Lizenzen und Registrierung

5 zentrale Fragen und Antworten zu den rechtlichen Grundlagen für Unternehmen mit ausländischem Kapital in China
Am 1. Januar 2020 trat das neue Auslandsinvestitionsgesetz der VR China (FIL) in Kraft, das das Rechtsgebiet grundlegend veränderte. Es hat die drei alten Gesetze vollständig abgeschafft, die verschiedene Unternehmensformen regelten (Gemeinschaftsunternehmen, Kooperationsunternehmen und Unternehmen mit ausschließlich ausländischem Kapital). Nun gelten für alle Unternehmen mit ausländischer Beteiligung einheitliche Regeln – das allgemeine Gesellschaftsrecht (Company Law) und das Partnerschaftsgesetz, also die gleichen Normen wie für chinesische Unternehmen. Dies hat eine vereinheitlichte, transparente und besser geschützte Umgebung für Investoren geschaffen.
Die „Negative Liste für den Zugang ausländischer Investitionen“ ist eine transparente und regelmäßig aktualisierte Liste von Branchen, in denen Ausnahmen vom allgemeinen Prinzip der Inländergleichbehandlung (gleiche Bedingungen wie lokale Unternehmen) gelten. Die Liste teilt sich in zwei Kategorien: verbotene (vollständiges Verbot ausländischer Investitionen, z. B. in der Verteidigungsindustrie) und eingeschränkte (Investitionen unter Bedingungen möglich, z. B. Limit des ausländischen Kapitalanteils oder Anforderung an die Führung). Wenn Ihr Tätigkeitsfeld nicht in der Liste enthalten ist, ist der Weg zur Registrierung maximal vereinfacht.
Die beliebteste und flexibelste Form ist das Unternehmen mit 100 % ausländischem Kapital (Wholly Foreign-Owned Enterprise, WFOE). Es bietet dem Investor volle Kontrolle über das Geschäft, schützt geistiges Eigentum besser und gewährleistet vollständige Transparenz der Operationen. WFOE eignet sich für die meisten Bereiche: Handel, Dienstleistungen, Produktion, F&E. Gemeinschaftsunternehmen (JV) werden in der Regel gegründet, wenn dies ausdrücklich durch die „Negative Liste“ vorgeschrieben ist oder strategisch für den Zugang zu Ressourcen und den Markt des lokalen Partners erforderlich ist.
Der Standardprozess umfasst 8 aufeinanderfolgende Schritte:
- Reservierung eines einzigartigen Namens beim SAMR.
- Legalisierung der juristischen Adresse (Abschluss und Registrierung eines Mietvertrags für Gewerbeimmobilien).
- Vorbereitung und Einreichung des Pakets der Gründungsdokumente beim SAMR.
- Erhalt der Geschäftslizenz – des Hauptdokuments, das die Gründung der juristischen Person bestätigt.
- Herstellung und Registrierung der offiziellen Unternehmensstempel.
- Eröffnung eines Unternehmensbankkontos und Einzahlung des ersten Teils des Grundkapitals.
- Registrierung bei der Staatlichen Steuerverwaltung.
- Anmeldung bei den Sozialversicherungs- und Rentenfonds.
Ja, für Projekte „auf der grünen Wiese“ (Kapitalbau von Grund auf) ist das Verfahren erheblich komplexer. Neben der Standardregistrierung des Unternehmens müssen vor Baubeginn vorläufige strategische Genehmigungen bei der Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) eingeholt sowie eine Reihe spezieller Zulassungen erhalten werden: städtebauliche Planung, Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), Genehmigung für Arbeitsschutz und industrielle Sicherheit (EHS). Erst danach kann die Baugenehmigung erteilt werden. Für streng regulierte Branchen (Finanzen, Telekommunikation) gilt oft ein „umgekehrtes Verfahren“: Zuerst muss die Genehmigung der Branchenaufsichtsbehörde eingeholt werden, und erst dann kann das Unternehmen beim SAMR registriert werden.
